Lee JiYoun – „beim Anhören des Flusses“

12. Januar  (Eröffnung) – 4. Februar  2018

Im Zentrum der Arbeit Lee Jiyouns steht die aufmerksame und absichtslose Betrachtung der Dinge.

Auf ihren ausgedehnten Spaziergängen durch die Stadt und entlang der Isar hat sie allerlei Dinge aufgelesen: Überflüssig- und Unbrauchbargewordenes, Kaputtgegangenes, Nutz- und Wertloses, Unbeachtetes. Sie schaut die Dinge an, wählt sie aus, hebt sie auf, und isoliert sie aus dem Kontext, in dem sie bloß Abfall waren, und überführt sie in einen anderen Kontext.

Hier gibt die Künstlerin diesen Dingen nun durch behutsame und aufmerksame plastische Gesten eine neue Identität. Es sind einfache Gesten: Aufrollen, Nebeneinanderlegen, Aufeinanderstellen, Verknüpfen… Durch die Gesten finden sich die Gegenstände nicht transformiert oder transzendiert. Sie sind wie sie sind. Und sind doch andere geworden.

Im Raum platziert treten die Objekte dann über formale Analogien miteinander in einen Dialog. Sie weisen aufeinander hin, antworten einander, öffnen Assoziationsräume zwischen sich.

Unscheinbar, zurückhaltend, ja zufällig mag diese Anordnung armseliger Dinge erscheinen. Und doch zeugt sie von einer sehr klaren und starken Positionierung in einer Waren- und Konsumwelt, in der die Dinge nur danach beurteilt werden, welchen Nutzen sie für uns haben, und in der neue Gegenstände in kürzester Zeit schon wieder obsolet werden und sich in Müll verwandeln.

Die koreanische Künstlerin Lee Jiyoun hat in Frankreich studiert und lebt nun seit einem halben Jahr in Deutschland.

Der Titel der Ausstellung beim Anhören des Flusses ist ein Zitat aus Hermann Hesses Siddharta.

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