Alexander Stern

Installation & Zeichnung

Eröffnung: Freitag, 06. März 2009, 20:00 Uhr
Einführung: Daniela Ebster, Kulturreferat München07. März – 29. März, DO – SO 14:00 – 17:00 Uhr

http://www.alexanderstern.de

 

Denk dir nichts?
begehbare Rauminstallation 2009
Materialien:Neonleuchtschriften („so still, dass man alles hört“, „denk dir nichts“),Papierkneuel, Modelleisenbahn (rote Lokomotive mit Lokführerfigur und Beleuchtung, 26m Schienen in unregelmäßiger Kreisform auf dem Boden verlegt), Holztisch, geloopte Soundinstallation „Schnurren“, mp3-Player, Lautsprecher.
Ausstellungsansicht: Neue Galerie Landshut, März 2009

In der Neuen Galerie Landshut zeigt Stern erstmals seine Installation „denk dir nichts“.
Der Besucher gelangt über eine Treppe in die obere, etwa 130 qm große Etage der Galerie. Der gesamte Boden ist mit weißen, zerknüllten Papierblättern bedeckt, die sich in der Tiefe des Raumes immer höher schichten und eine Landschaft formen. Mitten durch diese Papierberge dreht eine Modelleisenbahnlokomotive auf den am Boden verlegten Schienen ihre Kreise. Beleuchtet wird diese Szene lediglich von zwei Neonleuchtschriften an der Rückwand sowie an der linken Seitenwand. Während die frontal platzierte weiße Neonleuchtschrift „denk dir nichts“ den Raum von hinten erhellt, flankiert im vorderen Teil des Raumes die Leuchtschrift „so still, dass man alles hört“ einen Holztisch. Aus einem geöffneten Spalt dringt ein monotones Schnurren, das der Künstler in der Tischschublade hinterließ…

Stern realisierte bereits zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum, wie z.B. seine Arbeit Flugmaschine in Dae Jon (Südkorea) und in Biel (Schweiz), die bewegliche Installation Bananenaufzug in Rimini (Italien) oder die Arbeit Haus George in einem Stadtpark in Bern. Für das Jahr 2009 ist die Teilnahme an einer Ausstellung im öffentlichen Raum in Peking geplant. Neben Installationen und Projekten beschäftigt sich Stern mit Malerei und Zeichnung.

Alexander Stern, 1976 in Deggendorf geboren, studierte von 1996 – 2002 an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Res Ingold. Im Jahr 2000 studierte er an der Bauhausuniversität Weimar bei Prof. Jill Scott und Prof. Barbara Nemitz.
2002 legte er sein Staatsexamen an der Akademie der Bildenden Künste in München ab und ist seitdem freischaffender Künstler. Darüber hinaus unterrichtet er Kunst am Johannes-Turmair-Gymnasium in Straubing. Stern lebt und arbeitet in Straubing.

 

 

Zeichnung
Alexander Stern

In der ersten Etage hingegen sind Zeichnungen zu sehen. Stern’s Motive stammen dabei aus seiner direkten Umgebung: so fließen Blicke aus dem Fenster der Wohnung, Situationen des Alltags und die sich dabei herauskristallisierenden Detail-beobach-tungen in seine Bildwelt ein – oder er steigt in ein Flugzeug und fotografiert die Landschaftsstrukturen aus der Vogelperspektive. Er erweitert dieses Momenthafte, Erblickte, Zufällige indem er sich aus dem Fundus der medialen Welt bedient. Seine Bilder verarbeiten somit auch fotografische Vorlagen, Zeitungsabbildungen und Internetbilder.

Am Computer löst der Künstler die digitalisierten Bilder flächig auf, reduziert sie auf Archetypen seiner eigenen Erfahrungswelt, um sie anschließend wieder in analoge Kompositionen mit neuen inhaltlichen Zusammenhängen zu transformieren. Dabei zeichnet er mit Eddingstiften und malt in Öl auf Holz oder Leinwand. Wie ein Tintenstrahldrucker bewegt er sich konsequent von links nach rechts, von oben nach unten, bis die Malfläche netzartig markiert ist. In manchen Bildern unterstreicht Stern den konstruierten Charakter seiner urbanen, aber auch landschaftlichen Ansichten, durch ein feines rotes Liniennetz als deren Basis. Assoziationen zu Stadtplänen und Landkarten entstehen. Es lassen sich vereinzelt Hausdächer oder Flusswindungen erkennen. Details, die der Künstler bewusst als Hinweise hinterlassen hat.

Sterns Zeichnungen wirken trotz seiner strengen Vorgehensweise keineswegs starr, denn durch eigene Fehler, unregelmäßige Konturen und dem klar erkennbaren Pinselduktus werden gesetzte Strukturen wieder aufgebrochen. Auf diese Weise führt Stern Planung und Zufall vielschichtig und assoziationsreich zusammen. Vielfach erinnert seine urbane Bildwelt durchaus auch Naturlandschaften, ein Vergleich, der dem Künstler sehr wichtig ist. Ihn interessieren gerade diese Überschneidungen von natürlicher und von Menschen geformter Umgebung. Dabei spiegeln seine Kompositionen, die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion oszillieren, eine sehr subjektive Perspektive. Vor allem in seinen neuesten Arbeiten erscheinen Gebäudeelemente als sparsam eingesetzte Wirklichkeitszitate neben inneren Bildwelten. Und wie so oft in den Arbeiten von Alexander Stern, eröffnen diese einen tiefsinnigen wie humorvollen Blick auf die äußere Welt.

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