Kategorie: Archiv

CASPARS SPUREN

Dozenten und Studierende des Caspar-David-Friedrich-Instituts der Universität Greifswald

Jürgen Auerswald | Sylvia Dallmann | Nils Dicaz | Rabea Dransfeld | Natascha Ehrenheim | Lilly Eikermann | Ulrich Fischer | Christian Frosch | Charlet Gehrmann | Yang He | Claudia Heinicke | M. Kardinal | Jan Krause | Florian Mehlis | Regina Nagel | Katharina Nowak | Giacomo Orth | Linda Perthen | Oliver Petschauer | Marcus Pfab | Elisabeth Pohl | Daniela Risch | Sascha Schestow | Cindy Schmiedichen | Ulrich Schneider | Anett Simon | Michael Soltau | Lin Wang | Anne Wende

6. Oktober – 29. Oktober

Mit freundlicher Unterstützung durch Rechtsanwälte Sigl, Seiler, Gleixner, Strasser & Kollegen

Dozenten und Studierende des Caspar-David-Friedrich-Instituts Greifswald geben einen Einblick in die aktuelle Auseinandersetzung mit dem Namensgeber.

Dabei malt keiner der beteiligten Künstler wie Caspar David Friedrich. Die künstlerischen Spuren zeigen sich vielmehr im Prozess der je individuellen Anschauung und Aneignung von Welt. Die Poetisierung der Welt im Sinne Caspar David Friedrichs forderte auch der Dichter Novalis: „Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, romantisiere ich es.“

Der Frage nach der Zeitgemäßheit dieses Ansatzes geht diese Ausstellung nach.

Ein Schwerpunkt dieser Ausstellung ist zudem die Auseinandersetzung mit dem Material, das immer wieder neue, unerwartete Anmutungen annimmt.
So wirkt etwa ein gegossener farbiger Gipsquader als „dreidimensionales Aquarell“ in der künstlerischen Arbeit von Cindy Schmiedichen.
Die Bandbreite des verwendeten Materials ist groß: Sie reicht von Malerei und Zeichnung über Fotografie und Film bis hin zu plastischen Objekte aus verschiedenen Materialien.
Ganz im Sinne Caspar David Friedrichs suchen die Ausstellenden nach einem subjektiven Ausdruck. Dabei sind Handwerk, Ratio und Poesie immer auf das engste miteinander verbunden.

Facebook

SLIGHT SHIFT – Videoarbeiten. Installationen. Loops.

Videoarbeiten, Installationen und Loops von Künstler/innen
der Neuen Galerie Landshut, des Landshuter Kunstvereins sowie der Galerie in Bewegung
in der Großen Rathausgalerie Landshut ab Freitag, 8. September
(Landshuter Kunstnacht) bis Sonntag, 17. September 2017
 
Noortje Haegens  |  Herbert Nauderer  |  Dagmar Pachtner | Veronika Veit  |  Doris M. Wuergert
(Neue Galerie Landshut)
Birthe Blauth  |  Almut Determeyer  |  Peter Gregorio | Renato Rill  |  Stefanie Unruh
(Kunstverein Landshut)

Kunst an der Isar
(Galerie in Bewegung/Filmclub Landshut)

Große Rathausgalerie
Altstadt 315 (Eingang Grasgasse)
Öffnungszeiten: Di bis Fr 14−18 Uhr, Sa 11-18 Uhr, So 14-18 Uhr
www.landshut.de − Museen und Ausstellungen − Rathausgalerien

 

Facebook

Hinrich Gross – Licht und Nicht Licht

HINRICH GROSS
Licht und Nicht Licht
Eröffnung in der Kunstnacht, am Freitag, 8. September 2017 um 20:30 Uhr
Einführung: Stephanie Gilles, M.A.
 
9. September – 1. Oktober 2017
Do – So 15 – 18 Uhr
 
In seinem künstlerischen Werk widmet sich der Hamburger Hinrich Gross der Erkundung des Lichts.
Seine Installationen sind technische Versuchsanordnungen ebenso wie ästhetische Konstrukte. Sie zeigen Licht als physikalisches, technisches und grafisches Material ebenso wie als verdecktes Medium, das die Informationen, die es transportiert, mit den ihm immanenten mischt.
Hinrich Gross übersetzt physikalische Erkenntnisse in ästhetische Botschaften. Seine Poesie gilt der Art und Weise wie sich Sehen und Betrachten verweben lassen. Zur Kunstnacht erweitert sich die Ausstellung bis hinaus ins Freie. 
Der Widerschein des Lichts, moduliert durch das Material, auf das es trifft oder den Raum, den es durchwandert, ist eine Art der Reflexion, die einen Keil in die Gewohnheit der Wahrnehmung treibt. Sie fragt danach, ob sich das, was wir sehen, auch anders lesen lässt. (Bettina Catler-Pelz)
 Mit freundlicher Unterstützung von
 
sowie Sabine Schürhoff-Dobler und Rainer Dobler
Facebook

Ingrid Flohry | Mary Kim – Structures & Systems

Virtuellen Welten gleich dehnen und strecken sich die skulpturalen Gebilde von Mary Kim und die komplexen aquarellierten Formen von Ingrid Flohry in den zwei- und dreidimensionalen Raum. Aus einem wandelbaren System einfacher Module heraus entwickeln sich bei beiden Künstlerinnen vielschichtige, verwirrend erscheinende und in steter Unabgeschlossenheit mäandernde Strukturen, die Raum als Volumen und Modell definieren und in einem Zwischenbereich von Physik, Architektur und Technik verortet zu sein scheinen.

Zu den eher stillen und konzentrierten Positionen der zeitgenössischen Kunst gehört die Düsseldorfer Malerin Ingrid Flohry, deren teils groß dimensionierten Aquarelle sich mit der zeichnerischen Konstruktion von Raum auseinandersetzen. Die von ihr erschaffenen Räume, Trichter, Kurven oder röhrenförmige Anordnungen, erhalten ihre Dynamik und Tiefe aus einer virtuos angelegten Kolorierung. Detailreichtum und Arbeitsintensität kennzeichnen den Entstehungszyklus solcher Bilder, der im starken Gegensatz zur Schnelligkeit unseres Zeitalters steht.

Bereits seit einigen Jahren beschäftigt sich die in München lebende koreanische Künstlerin Mary Kim mit modular aufgebauten, architektonischen Strukturen, die aus vielen gleichartigen schiefwinklige Grundelementen aus Holz oder Metall bestehen.

Jede dieser schiefwinkligen Strukturen wirkt wie ein wachsendes Wesen mit Anklängen an Gebautes und Gewachsenes, mit technoidem ebenso wie organischem Charakter – und Humor. Parallel dazu arbeitet die Künstlerin auch an digitalen Zeichnungen als virtuelle Designvorlagen der Strukturen. Auf vielfältige Weise erkundet so diese Ausstellung die Beziehung zwischen zwei und drei Dimensionen, Illusion und Realität, Form und Funktion, sowie traditionellen und digitalen Methoden der Schaffung von Kunst.

Facebook

Stefan Wischnewski – Rebound

Stefan Wischnewski

Rebound

Skulpturale Arbeiten

24. Juni – 16. Juli 2017

Do – So 15 – 18 Uhr

Stefan Wischnewski ist Bildhauer – allerdings mit Nadel und Faden, oder besser – mit der Nähmaschine. Sein Material findet er bevorzugt in den industriell gefertigten Erzeugnissen der Freizeit- und Sportkultur. Diese interpretiert er neu, indem er sie zerlegt, auftrennt, umwendet, und aus den Versatzstücken bekannter Produkte neue Objekte entstehen lässt.

Rebound könnte man dieses Verfahren nennen, ein Begriff, der auch aus dem Sport bekannt ist, und REBOUND nennt Stefan Wischnewski auch seine Ausstellung in der Neuen Galerie Landshut, die am kommenden Freitag, den 23. Juni 2017 um 20:00 Uhr eröffnet wird.

Stefan Wischnewski war bereits im vergangenen Jahr mit einigen ausgewählten Arbeiten in der furiosen Ausstellung „TISSUE“ in der Großen Rathausgalerie zu sehen. Nun bezieht er den gesamten Gotischen Stadel in seine REBOUND-Strategie mit ein und zeigt raumbezogene, skulpturale Arbeiten, die immer aus vorhandenen Materialien und textilen Produkten bestehen, die er komplett verändert und zu neuen, andersartigen Objekten umformt. Manchmal wirken diese dann wie glänzende Designstücke, manchmal auch wie Dinge, deren Funktion nur ein paar Augenblicke von unserem Verständnis entfernt scheint – und sich doch nicht erschließt. In einem Nützlichkeits-Sinne sind sie völlig zweckfrei – und gerade dadurch ermöglichen sie eine ironisch-distanzierte Rückwendung auf die Gegenstände des Alltags, deren Zweckgebundenheit von uns meist unhinterfragt hingenommen wird.

Stefan Wischnewskis unkonventioneller Zugriff entzieht ihnen ihre vertrauten Sinnzusammenhänge und überführt sie in das Erfahrungsfeld der Kunst. Dort aber eröffnen sich nicht nur neue Assoziations-Spielräume; in ihren irritierenden Wirklichkeitsverschiebungen ermöglichen die Objekte eine neue, unverstellte Wahrnehmung ihrer selbst und zugleich oft auch des sie umgebenden Raumes.
So entsteht immer wieder ein Möglichkeits-Raum, eine Utopie von gesellschaftlicher Relevanz.

Die Ausstellung dauert bis zum 16. Juli und ist geöffnet Donnerstag bis Sonntag von 15:00 bis 18:00 Uhr.

 

Facebook

Noortje Haegens – Loop

Zum 15. Mal ist in der Neuen Galerie Landshut eine Präsentation niederländischer Kunst zu erleben. Im Rahmen des Künstleraustausches mit der Stichting IDFX zeigt die Künstlerin Noortje Haegens Fotografie und Videokunst. Dabei ist überraschend, dass nicht nur den Fotografien, sondern auch den sorgsam gerahmten Video-Objekten eine eigentümliche Mischung aus Ruhe und tänzerischer Bewegung zu eigen ist. Dies hat sehr viel mit der Entstehung dieser Arbeiten zu tun. Immer wieder sondert sich die Künstlerin für Wochen oder Monate von der Außenwelt ab, durchwandert abgelegene Landschaften und verbindet dort eine sehr existentielle Wahrnehmungsweise mit einem Spiel der Realitätsbehandlung, die sie in ihren Fotografien und Videoarbeiten den Betrachter nachempfinden lässt. Es sind Momentaufnahmen des künstlerischen Prozesses, welche die Landschaft so konkret und vollständig wie möglich erleben lassen. Während die Fotografien und Video-Objekte allerdings zunächst eine entspannte, verlangsamte, manchmal beinahe choreographische Bewegung vermitteln, enthalten sie jeweils ein irritierendes Moment, welches den Betrachter berührt und herausfordert. Ihm wird nicht die Erhabenheit der Landschaft vor Augen gestellt, sondern er wird selbst zum Betrachtenden, zum Subjekt der Wahrnehmung.
Noortje Haegens absolvierte 2011 die St.-Joost-Akademie in Breda und arbeitet seither als freischaffende Künstlerin. Ihre künstlerischen Exkursionen führen sie immer wieder für Monate in isolierte Orte und abgelegene Gegenden, wie etwa ein Kloster in Holland, eine Wanderreise über lappländische Hüttenwege oder in die trockenen Hügellandschaften Portugals. Noortje Haegens selbst sagt: „Es sind Konfrontationsperioden. Durch eine radikale Trennung von Gesellschaft und ohne Leistungsdruck bin ich künstlerisch sehr produktiv. Bei meinen Wanderungen bemerke ich, dass sich meine Sinne verlangsamen, dass mir dies durch die Bewegung und die Kraft der Stille zunehmend leichter fällt. Wie eine Landschaft durch diese langsamere Weise des Seins wahrgenommen wird, ist für meine Arbeit von großer Bedeutung.“
Die Ausstellung dauert bis zum 27. Mai und ist geöffnet Donnerstag bis Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

 

 

 

Facebook

Klaus von Gaffron | Paula Leal Olloqui

KLAUS VON GAFFRON   Fotobilder
PAULA LEAL OLLOQUI    Raumbezogene Arbeiten

4. März – 26. März 2017
Do – So 14 : 00 – 17 : 00 Uhr

 

Hold it without ripping it – Klaus von Gaffron und Paula Leal Olloqui in der Neuen Galerie Landshut

Facebook

Toni Wirthmüller

FILTER_01

Malerei | Zeichnung

Eröffnung: Freitag, 29. Februar 2008, 20:00 Uhr
Es spricht: Dr. Bernhard Fischer, Altheim

01. März – 24. März 2008
do – so 14:00 – 17:00 Uhr

Führungen durch die Ausstellung
Sonntag, 09. März und Sonntag 16. März 2008, 15:00 Uhr

mit freundlicher Unterstützung
der Stadt Landshut und der Sparkasse Landshut

Toni Wirthmüllers Arbeiten basieren auf konzeptuell angelegten Bilderserien und Bildinstallationen, in denen er sich mit dem menschlichen Körper und seiner medialen Repräsentation und Vermarktung beschäftigt, Werte und ihre Wandlungen hinterfragt. Den Künstler interessieren die verbliebenen Surrogate von Körperlichkeit sowie deren Sprache, erotische Signale und Codes. Mit dem Prinzip der Fragmentierung, der Montage und Überblendung bringt er malerische Elemente wie Farbe, Ornament und Zeichnung in vielschichtige Zusammenhänge. Gegenständliche und skripturale Zeichnungslinien sowie abstrakt eingesetzte Farbspuren durchkreuzen sich so gegenseitig. Er setzt weitere Materialien ein, um Transparenzen zu bewirken, so dass sich das Bildgeschehen auf vielen Ebenen abspielen kann, dabei ermöglicht das haptische Element der Bildoberflächen und Strukturen einen sinnlichen Zugang. Bei der Entschlüsselung der Inhalte trifft man auf die Brüchigkeit und plötzlichen Schleusen, an denen sich Alltags-und Medienebenen durchdringen, den Blick öffnend für die thematischen Schichtungen wie Schönheit, Hässlichkeit, Verwundbarkeit und Vergänglichkeit.
Der 1960 in München geborene Wirthmüller lebt seit 1982 in Berlin, wo er an der Hochschule der Künste studierte. Ab Mitte der 90er Jahre war er an der UdK (früher HdK) Berlin und der Facultad de Bellas Artes in Barcelona als Dozent tätig. Von 2000-2007 arbeitete er als Lehrbeauftragter an der Bauhaus Universität Weimar.
Wirthmüllers Arbeiten wurden an zahlreichen Orten im In- und Ausland ausgestellt, zuletzt unter anderem in New York, San Francisco, Hamburg, München, Lissabon und Novosibirsk.
Christoph Tannert (Leiter des Künstlerhaus Bethanien):
„Gegenüber den teutonischen Schmerzwutgesängen hat Toni Wirthmüller diese wunderbare Gabe, mit Farbe tief zu loten und gleichzeitig elegant wie puristisch-modern Bildelemente über- und hintereinander zu schichten. Qualität kommt bei ihm nicht von Quälen. Der Augensinn wird geschont, ja oft sogar geläutert und erheitert.
Aus der Serie „Mind Loops“ stammen jene blauen Blasen, Nullen, Ovale und Gucklöcher in Acryl auf Leinwand, die von der Nichtigkeit unserer Existenz wie von der Unendlichkeit sprechen. Wirthmüller unterstreicht das Gedankenkreisen in großen Leinwandbildern, indem er Blau auf Gelb treffen lässt, und sogar Blau auf Blau (bis an die Grenze jener Dunkelzonen des preußischen Blaus, das einem Schwarz vor den Augen werden lässt).Die Serie „Incorporeal“ lässt aus Kugelschreiberwölkchen über einer Gorillagruppe, verfremdeten Reality-Erlebnissen und Denkakrobatik Materielles auf Sinnliches treffen. Ein Ornamenten-Reigen verheißt die perfekte Würze und Entspanntheit an der richtigen Stelle.
Ihre Fortführung im Medium der Zeichnung findet diese Serie in den Arbeiten, auf denen Boxer-Motive, Bierdeckel-Pin ups, Bewusstes, Unbewusstes und aus den Weiten des Internet Gefischtes in originellen Versionen Gestalt annehmen. Das abstrahierte Normale und Notate belegen künstlerische Erlebnisetappen.
Eine besonders dichte Form der Überblendung diverser Bild- und Textebenen findet sich in einem Bild mit dem Titel „Faces“ das vier Gesichter zeigt, die an das Model Kate Moss erinnern, und das aus der Serie „Flesh Factor“ stammt. Weil der Künstler einen Text des legendären, frühverstorbenen Rockstars und Lyrikers Jim Morrison mit Kohle- und Kreidestift auf die bedruckte Leinwand geschrieben hat, bekommt das Ganze etwas von einer geheimnisvollen Offenbarung. Man fühlt sich hineingerissen in einen der magischen Rocksongs, der mehr verbirgt als freigibt von geheimnisvollen Offenbarungen über Tod und Wiedergeburt, buddhistische Weisheit und uralte biblische Prophezeiungen.
Das Grenzüberschreitende und Wunderbare dieser Morrison-Songs, die verknüpft sind mit der anderen Seite des Morgen, fixiert Wirthmüller auf geradezu elektrische Weise an dem Punkt, wo sich mitten im Alltag das Tor zum Hintergründig-Provozierenden öffnet.“(aus der Rede zur Eröffnung der Ausstellung im GEHAG-FORUM Berlin, Juni 2006)

Facebook

Burkard Bluemlein

Landshuter Gespräche

BURKARD BLÜMLEIN

Landshuter Gespräche

Objekte und Installation

Eröffnung: Freitag, 25. April 2008, 20:00 Uhr

26. April – 18. Mai 2008
do – so 15:00 – 18:00 Uhr

Führungen durch die Ausstellung
Sonntag, 04. Mai und Sonntag, 18. Mai 2008, 15:00 Uhr

mit freundlicher Unterstützung von
Maria und Rolf Haucke, Landshut,
der Stadt Landshut und der Sparkasse Landshut

Burkard Blümlein


Burkard Blümlein wurde 1960 in Würzburg geboren.
Er lebt in Paris und München.
Er hat eine Professur an der Villa Arson, Ecole Nationale Supérieure in Nizza.
Von 2002 bis 2007 war er Professor an der Ecole Européenne Supérieure de l’Image, Angoulème.Betrachtet man die zentrale Bodenarbeit im unteren Stock mit dem Titel „Landshuter Gespräche“, so denkt man, wir würden den Nachverkauf des großen Landshuter Flohmarkts vom letzten Wochenende veranstalten. Nicht nur der Titel, auch die Fülle der ausgebreiteten Dinge und Objekte, ihre recht chaotisch wirkende, willkürliche Anordnung auf einer Plastikfolie könnten darauf hindeuten.
Schnell hat der geübte Flohmarktbesucher ausgemacht, worum es sich handelt: Schädel, Schlüssel, Strandgut, mechanische und elektronische Geräte, Touristenkitsch, Nippes und Ramsch aus asiatischen Billigläden, möglicherweise auch von IKEA.
Allerdings irritiert die Anordnung der Plastikfolie und die Wahrnehmung, dass sich in unseren Augen billiger Ramsch mit kleinen Kostbarkeiten, seltsamen zweckfreien Gegenständen und – bei noch genauerem Hinsehen – mit künstlerisch bearbeiteten Objekten mischen.
Wir versuchen, eine Logik, eine Struktur in diesem scheinbaren Durcheinander zu finden, ein Prinzip, nach denen diese Objekte aufgereiht, angeordnet sind – doch wir werden nicht fündig. Mit unseren gewohnten Kategorien und Taxonomien kommen wir nicht weiter.
Möglicherweise sind wir schon versucht, uns abzuwenden, es als nette, farbenfrohe Spielerei abzutun, die uns an die Kinderzimmer zu Hause erinnert, doch dann interessiert uns ein Gegenstand etwas näher, zum Beispiel der Schädel eines Vogels, der neben einem perforierten Straußenei liegt – es könnte also der Schädel dieses Vogels sein. Daneben liegt ein schwarzer kleiner Schädel, möglicherweise eines Affen, aber nun fasziniert uns eher diese Antonomie von Schwarz und Weiß, und wir bemerken, dass diese Gegensatzpaare immer wieder zu finden sind.
Wir finden Reihungen, etwa Perlenschnüre und Rosenkränze, Spagatknäuel oder eine seltsam geflochtene Plastikschnur. Diese besteht aus simplen farbigen Plastiktüten, wie man sie auf Märkten zum Verstauen der gekauften Waren bekommt. Diese wiederum korrespondiert mit einem Stapel von ebenso starkfarbigen Plastiktellern, deren Material und Anordnung ebenfalls in einem an einen Ritualstock erinnernden durchsichtigen Objekt zu finden ist, welches sich als eine Sammlung ineinandergeschichteter Einwegsektgläser entpuppt. Deren matt opake Oberfläche findet sich auch wieder in einem Objekt, das aus zusammengeklebten Spegelscherben besteht, welches einen formgleichen, aber spiegelbildlichen Naturschwamm neben sich stehen hat.
Der Blick könnte sich nun von da zu den bunten Plastikschwämmen in seiner Nähe hangeln, aber er bleibt an anderen Spiegelungen hängen, etwa der Murmel auf dem Rasierspiegel oder den beiden Flaschen, die sich Hals an Hals spiegeln und damit wiederum Analogien zu den Spielkarten unter der Plastikfolie bilden lassen, deren Motive ebenfalls spiegelbildlich angeordnet sind.
Während der ganzen Zeit ist unser Geist dabei, zu interpretieren, Analogien zu bilden, zu assoziieren und in immer neuen, sich verändernden Wahrnehmungs- und Gedankensprüngen über das Feld zu mäandern – sich gleichsam in einem wilden Denken zu ergehen, das sich so völlig von dem analysierenden Herangehen der modernen Wissenschaft unterscheidet. Claude Lévi-Strauss, der berühmte Ethnologe, hat dieses Denken als konkrete Logik der Premieres Cultures beschrieben – also der ersten, und nicht, wie wir sie bezeichnen, der primitiven Kulturen.
Dieses wilde Denken vereint sowohl intellektuelle Elemente als auch solche der Anmutung oder des Gefühls, während unser heutiges Wissenschaftsverständnis das Ziel größtmöglicher Objektivität und Abstraktion verfolgt, emotionale Beteiligung aber ausschließt.
Dabei liegt der konkreten Logik durchaus ein ebenso großer Erkenntnisdrang zu Grunde und erschließt sich nur durch die genaueste Identifizierung ihrer Bestandteile. Denn sie beruht auf der Vielgestaltigkeit der Beziehungen zwischen den Elementen.
So besteht bei den Luapula eine Beziehung zwischen dem Leopardenclan und dem Ziegenclan, weil ein Tier das andere frisst; zwischen dem Elefantenclan und dem Tonerdenclan aber, weil ehemals die Frauen, statt Behälter zu formen, Abdrücke von Elefantenfüßen aus dem Boden herauslösten und diese natürlichen Formen anstelle von Behältern verwendeten.
Wildes Denken beruht also durchaus auf einer Logik, wenn auch nicht auf der bei uns herrschenden – und es ist weder kultur- noch entwicklungsgeschichtlich überholt. So erinnert mich dieses Basislager eines Sammlers einerseits an das Kinderzimmer meines Sohnes – allerdings: wenn ich sage: „Dein Zimmer sieht aus, als hätte eine Bombe darin eingeschlagen“, so habe ich nicht genau hingeschaut: In Wirklichkeit beinhaltet nämlich dessen Kinderzimmer selbst in den chaotischsten Zuständen eine komplexe Ordnung, eine konkrete Logik, die in ihren einzelnen Analogien und Assoziationen genauso nachvollziehbar ist wie diese Arbeit von Burkard Bluemlein. Zum anderen ist auch kulturgeschichtlich dieses konkrete Denken noch zur Zeit der Renaissance das beherrschende gewesen:
Es war von Ähnlichkeiten und Verwandtschaften unter den Dingen gekennzeichnet, und wenier von Fragen von Identität bzw. Unterschiedlichkeit.
Kunst- und Wunderkammern als Vorläufer unserer Museen verdeutlichen dieses Denken: sie vergegenwärtigten anhand ausgewählter Beispiele ein Abbild der großen Welt. In dem kürzlichen erschienenen und sehr empfehlenswerten Katalog zur Kunst- und Wunderkammer wird dies wunderbar beschrieben: „Kunst und Wunder waren die beiden Schlüsselbegriffe, und diese bezogen sich sowohl auf von Menschen geschaffene Dinge (sogenannte Artificialia) als auch auf Objekte aus der Natur (Naturalia). So war ein mechanisch kompliziertes Eisenschloss „gar künstlich“, also höchst kunstvoll, und damit ebenso wie ein gemaltes Kunstwerk der Bewunderung wert und der Sammlung würdig. Dass ein Mensch aus einem Stück Elfenbein feinste ineinander gedrehte Kugeln drechseln konnte, war ein Wunder. Ein Wunder war aber auch der Baumschwamm, der einem Laib Brot berblüffend ähnlich sah.“
Hier finden wir also durchaus Elemente des „Wilden Denkens“ von Lévi-Strauss wieder, und Burkard Blümleins „Landshuter Gespräche“ üben wirklich eine Zwiesprache mit der Landshuter Kunst- und Wunderkammer und deren kokreten Logik. Wir finden in ihnen Naturalia und Artificialia, Scientifica und Exotica, und wer die Kunst- und Wunderkammer in Landshut kennt, wird wiederum Analogien und Assoziationen vielfältigster Art in den Landshuter Gesprächen finden:
Es gibt eine minutiöse Liste, in der Burkard Blümlein die Objekte seiner Installation auf die Objekte der Landshuter Sammlung bezieht. So finden sich die eben erwähnten kunstvollen Schlösser als tatsächlich entsprechende Artficialia, andere wiederum nur als Abbildung, etwa berühmte Werke der Kunstgeschichte. Es gibt die Exotica, in Form von perlmuttglänzenden Muscheln, aber auch als von Kindern im Sommerurlaub gesammelten Tand. Wir finden die Naturalia, etwa den Kugelfisch, der allerdings aus Zahnstochern nachgebildet ist, oder die menschenähnliche Alraunwurzel, wo der Künstler, ebenso wie beim schwarzen Totenschädel, mit Plastilin nachgeholfen hat.
Selbst zeitgenössische Scientifica sind in der Sammlung: Eine Nachbildung des Eisenmoleküls als Souvenir des Atomiums aus Brüssel, Computerfestplatten, oder auch ein schwarzes Telefon, dessen eingeschränkte und rätselhafte Funktionaliät schon wieder an einen totemistischen Ritualgegenstand denken lässt.
Einen solches finden wir auch in der Arbeit des Nagelfetisch im oberen Stock. Auf einem lapidaren Tisch steht eine Glasvase, die sich, gleichsam wie in einem Antipoden, unter dem Tisch in einem hölzernen Fetisch fortsetzt – oder besser gesagt, spiegelt. Den Nägeln im schrundigen Holzkörper entsprechen die Blasen im Glas der Vase, die allerdings ohne jedes Prinzip, zufällig, wie bei einer absichtslosen Bastelei, eingraviert wurden. Was sowohl die zerbrechliche Vase als auch den verletzten hölzernen Fetisch zu halten scheint, ist das jeweilige Gegenstück auf der anderen Seite der Tischplatte – und diese halten wiederum den Tisch.
Hier stellt sich die Frage nach der Ordnung der Dinge, und diese wird in den Arbeiten im oberen Stock auf je eigene Weise beantwortet. So wird die Ordnung des billigen Sammelsuriums von Gläsern auf dem niederen Regalbord durch einen Licht-Spot hergestellt, ebenso wie der Tisch hinten durch den Strahl der Lampe, welcher durch ein Loch in der Tischplatte fällt, im Raum verortet wird. In der benachbarten Arbeit verortet das hängende Lot verortet den schiefen Tisch –
oder ist es umgekehrt?: Die Ordnung der Dinge, die uns so selbstverständlich erscheint, ist eine wilkürliche, wie Michel Foucault uns seinem gleichnamigen Werk nachweist.
Wissen ist danach nicht das Ergebnis rationaler Denkprozesse, sondern das Produkt von zufälligen „Entdeckungen“ und vor allem von politisch durchgesetzten Machtpositionen innerhalb von diskursiven Strukturen. Wer also die Macht hat, den Wissens-Diskurs zu bestimmen, hat die Macht, unser Denken, ja uns selbst zu formen, zu erfassen und zu klassifizieren.
Gerade im Augenblick der umwälzenden Globalisierung wird dies wieder schmerzlich bewusst.
Es ist deshalb wichtig, dieser Ordnung der Dinge eine erkenntniskritische Ordnung der Blicke hinzuzufügen:
Die Dinge benötigen nämlich immer einen Beobachter, der über seine Perspektiven, seine Blicke, eine Ordnung herstellt.
Diese Blicke, diese Sichtweisen ergeben in umfassender Weise Möglichkeiten von Konstruktionen, die wir als Wirklichkeiten »sehen«. Darin aber ist die Sprache ebenso wie das Fühlen oder andere sinnliche Tätigkeiten eingeschlossen.
So könnte unser Blick auf dem niederen Tischchen dem Golddraht folgen, der sich durch die Gläser bohrt, genauso aber der Struktur der Volumina oder der Oberflächen; er könnte sich dem Besonderen widmen oder dem Ähnlichen, je nachdem, welche Beziehungswirklichkeit wir zwischen den Dingen herstellen.Wenn man die Perspektive wechselt, ändern sich die Beziehungen der Elemente untereinander: Auf dem Kindergeburtstagstisch wirft aus der Froschperspektive jedes Ding seinen Schatten auf ein wieder anderes. Was am Ende drin sein wird, wissen wir nicht. Vielleicht aber sind in diesem umgekehrten Höhlengleichnis die Schatten ohnehin wesentlicher als die Dinge oder gar ihr Inhalt.
Das wilde, mäandernde Denken ist nie ganz verschwunden gewesen:
Nicht erst im postmodernen Informationszeitalter finden wir es wieder in der assoziativen, rhizomartigen Vernetzung der Hyperlinks.

Ähnlich entwickelte auch schon Aby Warburg in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts seine berühmte verschollene Arbeit Mnemosyne, benannt nach der Göttin der Erinnerung, in der er mit Hilfe von Bildern das vielfältige Weiterleben der Antike in der europäischen Kultur anschaulich machen wollte. Dieser Atlas bestand schließlich aus über 40 Kartons mit ca. 1.500 bis 2.000 Fotos, die die Tafeln teilweise bis zum Rand bedeckten und weder mit Bildunterschriften noch mit Kommentaren versehen waren. Die Tafeln beschränkten sich nicht auf klassische Forschungsobjekte der Kunstwissenschaft, sondern beinhalteten auch Werbeplakate, Briefmarken, Zeitungsausschnitte oder Pressefotos von Tagesereignissen. Warburg starb 1929 an einem Herzinfarkt, Mnemosyne konnte nicht vollendet werden.
Auch Burkard Blümleins Arbeit ist in gewisser Weise eine Mnemosyne, in der er die Erinnerung und die Möglichkeit wachhält an ein anderes Denken, einen anderen Blick, der die gängige Diskurshoheit unterlaufen kann. Nicht nur in diesem Sinne allerdings steckt sie voller Subversivität:
Immer dort etwa, wo wir als geübte Kunstbetrachter meinen, vordergründigen Sinn in den Arbeiten festmachen zu können, werden wir enttäuscht. So ist der Nagelfetisch in keiner Weise ein mit Bedeutung aufgeladenes, surrealistisches Objekt im Sinne etwa einer Louise Bourgeois. Die Arbeit ist als Idee plötzlich da gewesen, und er hat sie gemacht.
Es ist nicht diese psychoanalytisch beförderte Kunstproduktion, die Burkard Blümleins Arbeiten kennzeichnen.
Sie beinhalten vielmehr immer ein Moment des Bastelns, der „bricolage“, wie es in Frankreich heißt; das bedeutet zum einen eine Art intellektuelle Bastelei mit einem begrenzten Bestand von Material, das immer neu geordnet wird und das prinzipiell heterogen ist.
Dies bedeutet aber auch Bastelei im eigentlichen Sinne, seien es die eingravierten Blasen in der Glasvase, der geätzte Fingerabdruck im Glas, die zersprungenen und geklebten Porzellanteller, deren Haar-Riss als durchgehende Linie angeordnet sind, die perforierte Matrioschka, das Muster der geschälten Einhorn-Rinde, immer sind es einfache, oft unmerkliche Eingriffe, die auf ursprüngliche, volkstümliche oder handwerkliche Techniken zurückgreifen und die der materialistischen Ordnung der Dinge ein subversives und sperriges Element der Zweckfreiheit einfügen, unseren Blick fokussieren und ihm damit die Möglichkeit eines anderen Sehens, eines anderen Denkens, ja eines anderen Diskurses anbietet.
„Im Grunde“, meinte schon Jacques Derrida, ist ohnehin „jeder endliche Diskurs zu einer gewissen Bastelei gezwungen“. und wenn Wildes Denken nach Derrida „Erkenntnisgewinn auf der Ebene der sinnlichen Wahrnehmung und der Einbildungskraft“ bedeutet, dann ist diese Ausstellung eine Einladung an den Betrachter, wild zu denken.

Facebook