Alle Beiträge von Franz Schneider

Ingrid Flohry | Mary Kim – Structures & Systems

Virtuellen Welten gleich dehnen und strecken sich die skulpturalen Gebilde von Mary Kim und die komplexen aquarellierten Formen von Ingrid Flohry in den zwei- und dreidimensionalen Raum. Aus einem wandelbaren System einfacher Module heraus entwickeln sich bei beiden Künstlerinnen vielschichtige, verwirrend erscheinende und in steter Unabgeschlossenheit mäandernde Strukturen, die Raum als Volumen und Modell definieren und in einem Zwischenbereich von Physik, Architektur und Technik verortet zu sein scheinen.

Zu den eher stillen und konzentrierten Positionen der zeitgenössischen Kunst gehört die Düsseldorfer Malerin Ingrid Flohry, deren teils groß dimensionierten Aquarelle sich mit der zeichnerischen Konstruktion von Raum auseinandersetzen. Die von ihr erschaffenen Räume, Trichter, Kurven oder röhrenförmige Anordnungen, erhalten ihre Dynamik und Tiefe aus einer virtuos angelegten Kolorierung. Detailreichtum und Arbeitsintensität kennzeichnen den Entstehungszyklus solcher Bilder, der im starken Gegensatz zur Schnelligkeit unseres Zeitalters steht.

Bereits seit einigen Jahren beschäftigt sich die in München lebende koreanische Künstlerin Mary Kim mit modular aufgebauten, architektonischen Strukturen, die aus vielen gleichartigen schiefwinklige Grundelementen aus Holz oder Metall bestehen.

Jede dieser schiefwinkligen Strukturen wirkt wie ein wachsendes Wesen mit Anklängen an Gebautes und Gewachsenes, mit technoidem ebenso wie organischem Charakter – und Humor. Parallel dazu arbeitet die Künstlerin auch an digitalen Zeichnungen als virtuelle Designvorlagen der Strukturen. Auf vielfältige Weise erkundet so diese Ausstellung die Beziehung zwischen zwei und drei Dimensionen, Illusion und Realität, Form und Funktion, sowie traditionellen und digitalen Methoden der Schaffung von Kunst.

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Stefan Wischnewski – Rebound

Stefan Wischnewski

Rebound

Skulpturale Arbeiten

24. Juni – 16. Juli 2017

Do – So 15 – 18 Uhr

Stefan Wischnewski ist Bildhauer – allerdings mit Nadel und Faden, oder besser – mit der Nähmaschine. Sein Material findet er bevorzugt in den industriell gefertigten Erzeugnissen der Freizeit- und Sportkultur. Diese interpretiert er neu, indem er sie zerlegt, auftrennt, umwendet, und aus den Versatzstücken bekannter Produkte neue Objekte entstehen lässt.

Rebound könnte man dieses Verfahren nennen, ein Begriff, der auch aus dem Sport bekannt ist, und REBOUND nennt Stefan Wischnewski auch seine Ausstellung in der Neuen Galerie Landshut, die am kommenden Freitag, den 23. Juni 2017 um 20:00 Uhr eröffnet wird.

Stefan Wischnewski war bereits im vergangenen Jahr mit einigen ausgewählten Arbeiten in der furiosen Ausstellung „TISSUE“ in der Großen Rathausgalerie zu sehen. Nun bezieht er den gesamten Gotischen Stadel in seine REBOUND-Strategie mit ein und zeigt raumbezogene, skulpturale Arbeiten, die immer aus vorhandenen Materialien und textilen Produkten bestehen, die er komplett verändert und zu neuen, andersartigen Objekten umformt. Manchmal wirken diese dann wie glänzende Designstücke, manchmal auch wie Dinge, deren Funktion nur ein paar Augenblicke von unserem Verständnis entfernt scheint – und sich doch nicht erschließt. In einem Nützlichkeits-Sinne sind sie völlig zweckfrei – und gerade dadurch ermöglichen sie eine ironisch-distanzierte Rückwendung auf die Gegenstände des Alltags, deren Zweckgebundenheit von uns meist unhinterfragt hingenommen wird.

Stefan Wischnewskis unkonventioneller Zugriff entzieht ihnen ihre vertrauten Sinnzusammenhänge und überführt sie in das Erfahrungsfeld der Kunst. Dort aber eröffnen sich nicht nur neue Assoziations-Spielräume; in ihren irritierenden Wirklichkeitsverschiebungen ermöglichen die Objekte eine neue, unverstellte Wahrnehmung ihrer selbst und zugleich oft auch des sie umgebenden Raumes.
So entsteht immer wieder ein Möglichkeits-Raum, eine Utopie von gesellschaftlicher Relevanz.

Die Ausstellung dauert bis zum 16. Juli und ist geöffnet Donnerstag bis Sonntag von 15:00 bis 18:00 Uhr.

 

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Noortje Haegens – Loop

Zum 15. Mal ist in der Neuen Galerie Landshut eine Präsentation niederländischer Kunst zu erleben. Im Rahmen des Künstleraustausches mit der Stichting IDFX zeigt die Künstlerin Noortje Haegens Fotografie und Videokunst. Dabei ist überraschend, dass nicht nur den Fotografien, sondern auch den sorgsam gerahmten Video-Objekten eine eigentümliche Mischung aus Ruhe und tänzerischer Bewegung zu eigen ist. Dies hat sehr viel mit der Entstehung dieser Arbeiten zu tun. Immer wieder sondert sich die Künstlerin für Wochen oder Monate von der Außenwelt ab, durchwandert abgelegene Landschaften und verbindet dort eine sehr existentielle Wahrnehmungsweise mit einem Spiel der Realitätsbehandlung, die sie in ihren Fotografien und Videoarbeiten den Betrachter nachempfinden lässt. Es sind Momentaufnahmen des künstlerischen Prozesses, welche die Landschaft so konkret und vollständig wie möglich erleben lassen. Während die Fotografien und Video-Objekte allerdings zunächst eine entspannte, verlangsamte, manchmal beinahe choreographische Bewegung vermitteln, enthalten sie jeweils ein irritierendes Moment, welches den Betrachter berührt und herausfordert. Ihm wird nicht die Erhabenheit der Landschaft vor Augen gestellt, sondern er wird selbst zum Betrachtenden, zum Subjekt der Wahrnehmung.
Noortje Haegens absolvierte 2011 die St.-Joost-Akademie in Breda und arbeitet seither als freischaffende Künstlerin. Ihre künstlerischen Exkursionen führen sie immer wieder für Monate in isolierte Orte und abgelegene Gegenden, wie etwa ein Kloster in Holland, eine Wanderreise über lappländische Hüttenwege oder in die trockenen Hügellandschaften Portugals. Noortje Haegens selbst sagt: „Es sind Konfrontationsperioden. Durch eine radikale Trennung von Gesellschaft und ohne Leistungsdruck bin ich künstlerisch sehr produktiv. Bei meinen Wanderungen bemerke ich, dass sich meine Sinne verlangsamen, dass mir dies durch die Bewegung und die Kraft der Stille zunehmend leichter fällt. Wie eine Landschaft durch diese langsamere Weise des Seins wahrgenommen wird, ist für meine Arbeit von großer Bedeutung.“
Die Ausstellung dauert bis zum 27. Mai und ist geöffnet Donnerstag bis Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

 

 

 

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